Gartengestaltung

Bergblumen im Garten

Zurück zur natürlichen Schönheit

Warum erleben Alpengärten und Bergblumen in unseren Gärten eine Renaissance? Vermutlich, weil sich viele Menschen zunehmend von den oft trostlosen «Steingärten» abwenden, die in den letzten Jahren, vor allem bei Neubauten, entstanden sind. Schnell wurde klar: Von Ästhetik und lebendiger Schönheit ist bei diesen Schotterflächen kaum die Rede. 

Gemeinsam mit vielen Gärtnerinnen, Gärtnern und Landschaftsbauern versucht man nun, diesen Trend zu stoppen – oder besser gesagt, das sprichwörtliche Rad zurückzudrehen – und mit gezielten Pflanzmassnahmen zu einem lebendigeren, naturnahen Gartenbild zurückzufinden.

Und hier bieten sich alpine Pflanzen geradezu als Gegenentwurf an. Die Faszination für einheimische, aber auch ausländische Alpen- und Bergblumen ist gross. Sie überzeugen durch ihre Widerstandsfähigkeit, ihre leuchtenden Farben und ihre ursprüngliche Ausstrahlung. Diese Pflanzen stammen aus kargen Höhenlagen und trotzen dort extremen Bedingungen: wenig Wasser, steinige Böden, grosse Temperaturschwankungen. Ihre Robustheit macht sie zu idealen Begleitern für naturnahe und pflegeleichte Gärten, und sie bringen ein Stück Bergwelt direkt vor die Haustür.

Wo leben unsere Bergblumen?

Ein Gärtner, der alpine Pflanzen kultiviert, ohne je in unseren wunderschönen Alpen gewandert zu sein oder die Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet zu haben, das ist kaum vorstellbar. Eigene Erfahrungen und fundiertes Wissen über Standorte und Lebensbedingungen sind unerlässlich, um ein Alpinum authentisch zu gestalten.

Die verschiedenen Vegetationsstufen unserer Berge sind meist klar voneinander zu unterscheiden. Wandern wir vom Tal hinauf in die Alpen, begegnen wir zunächst der Bergwaldstufe: Fichten dominieren den Anfang, später folgen Bergföhren, Lärchen und Arven. Diese Baumarten beherbergen eine vielfältige Flora zu ihren Füssen: Pflanzen, die sich an das kühlere, schattige Klima angepasst haben.

Bergblumen: Nahaufnahme Adonis
1
Bergblumen: Nahaufnahme Alpenrose
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Bergblumen: Nahaufnahme Alpenthymian
3
1AdonisröschenAdonisGelb30 cmHumos, felsig
2AlpenroseRhododendronRot100 cmSaurer Moorboden
3Alpen-ThymianThymusRosa5 cmTrocken, robust

Hinauf in die Höhe – ins Reich der Bergblumen

Etwas höher erreichen wir die Voralpenstufe, eine wahre Kampfzone für Pflanzen. Hier wachsen Krummholzföhren, Zwerg-Erlen und natürlich die beliebten Alpenrosen. Und für wandernde Kinder besonders spannend: die leckeren Heidelbeeren, die in grossen Mengen diesen Höhenzug bewachsen.

Sobald wir die Hochalpenstufe erreichen, beginnt das eigentliche Paradies der Alpenblumen. Die meisten von ihnen wachsen in polsterartigen Gruppen und blühen oft zu Hunderten, ein farbenprächtiges Schauspiel inmitten von Alpmatten und Geröllfeldern ab etwa 2000 Metern Höhe.

Und hier schliesst sich der Kreis: Diese kargen, steinigen Hochlagen erinnern auf den ersten Blick an unsere Steingärten – mit einem entscheidenden Unterschied: die Vielfalt und Schönheit der dort heimischen Pflanzen. Sie zeigen uns, wie Leben selbst unter widrigsten Bedingungen erblühen kann und bringen genau diese Hoffnung und Lebendigkeit zurück in unsere Gärten.

Bergblumen: Nahaufnahme Leontpodium
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Bergblumen: Nahaufnahme Enzian
5
Bergblumen: Nahaufnahme Fingerkraut
6
4EdelweissLeontopodiumSilberweiss20 cmGut wasser-durchlässig
5EnzianGentianaBlau10 cmGute Feuchtigkeit
6FingerkrautPotentillaGelb20 cmGenügsam, sandig

Die Gestaltung und Standortwahl

Der ideale Standort für einen Alpengarten ist sonnig, gut durchlässig und optimal geneigt. Sandige Erde mit Kies und wenig Humus imitiert alpine Bedingungen. Steine speichern Wärme und bieten Schutz. Das Kombinieren verschiedener Farben und Höhen ergibt ein natürliches Bild. 

Auch Hochbeete oder Tröge und Töpfe können mit alpinen Pflanzen attraktiv gestaltet werden, ganz besonders bei wenig Platz. Kleine, hübsche Bepflanzungen mit Kombinationen aus Minipflänzchen sind sogar in Töpfen und Schalen auf Balkonen und Terrassen möglich. 

Einfache Pflege, auch im Winter

Alpenpflanzen sind genügsam: wenig giessen, kaum düngen. Wichtig ist es aber, Staunässe zu vermeiden und Verblühtes sollte regelmässig entfernt werden, um neue Blüten zu fördern. In rauen Wintern benötigen manche Arten Schutz mit Reisig oder Vlies.

Bergblumen: Nahaufnahme Campanula
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Bergblumen: Nahaufnahme Carlina
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Bergblumen: Nahaufnahme Hauswurz mit Bergen im Hintergrund
9
Bergblumen: Nahaufnahme Küchenschelle
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7Zwerg-glockenblumeCampanulaBlau20 cmDurchlässig, sandig
8SIlberdistelCarlinaSilberweiss20 cmDurchlässig, sandig
9HauswurzSempervivumRosa-Rot20 cmTrocken, genügsam
10KüchenschellePulsatillaViolett30 cmHumoser Boden

Diese Aufzählung ist natürlich begrenzt und es warten hunderte – zusammen mit ausländischen Arten sogar tausende – dieser speziellen Schönheiten darauf, Ihren Alpengarten zu verschönern und interessanter zu machen. Ich bitte Sie aber dringend, nicht an Naturstandorten Pflanzen auszugraben oder Samen zu sammeln! Schauen Sie sich beim Gärtner ihres Vertrauens um. Er wird viele schöne Alpine im Angebot führen oder allenfalls besondere Spezialitäten besorgen können.

Text und Bilder: Bert Stankowski

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