Gartengestaltung

Sichtschutz aus Stein

Welche Steinmauern sich für den Garten eignen

Die Gründe für eine Steinmauer im eigenen Garten sind vielfältig: Einige möchten ihr Grün privater gestalten oder einen Schutz vor Zugluft. Andere haben ohnehin vom Hausbau oder durch Erdaushub eine grosse Menge Steine übrig, die nach einer Verwendung rufen. Andere wiederum möchten ihre Mauer bepflanzen oder einen Steingarten anlegen. Als Sichtschutz aber kommen vor allem fünf Mauertypen in Frage:

1. Trockensteinmauer 

Seit die Menschen grössere Bauten anlegen, schichten sie Steine aufeinander. Schon in jungsteinzeitlichen Anlagen findet sich daher die sogenannte «Trockensteinmauer». Trocken bedeutet in diesem Fall, dass die Steinmauer ohne Bindemittel, also ohne Mörtel, errichtet wird. Das Bemerkenswerte an der Trockensteinmauer ist ihre Vielseitigkeit: Zum Einsatz kommen idealerweise Steine aus der Region, was den Aufwand minimiert. Deshalb werden die Mauern auch «Klaubsteinmauern» genannt – weil ihre Bestandteile buchstäblich «zusammengeklaubt» werden. Sie fügen sich natürlich in unsere Kulturlandschaft ein und können, je nach Anlage, unterschiedlichste Funktionen erfüllen. Im Gartenbau nutzen wir vor allem zwei Mauertypen: Freistehende Mauern grenzen unseren Garten nach aussen ab oder trennen einzelne Gartenbereiche optisch voneinander. An abfallenden Grundstücken können die Klaubsteinmauern zur Terrassierung genutzt werden. Hier ist der Hintergedanke also vor allem, das Abrutschen einzelner Gartenbereiche zu verhindern. Für den Sichtschutz konzentrieren wir uns auf die erstere Variante. 

Mauer Bank und Wiese im Vordergrund
Elegant und verwunschen kann eine Steinmauer Schutz und Hingucker im eigenen Garten zugleich sein.

Die Errichtung einer Trockensteinmauer bedarf einer gewissen Erfahrung. Die glatte Kante unserer Steine zeigt auswärts, die unregelmässige Seite nach innen. Sofern die Klaubsteinmauer freistehend ist, wird also zweireihig gearbeitet. Dabei ist darauf zu achten, dass die beiden Trockensteinmauern nicht beliebig ineinandergreifen. Zur Verstärkung kommen bewusst gesetzte, quer liegende «Bindersteine» zum Einsatz. In den so entstehenden Hohlraum gelangen meist Steinscherben oder andere Füllsteine. Bei der Befüllung sollte der Fehler vermieden werden, wasserbindende Materialien wie Lehm einzusetzen, damit keine Staunässe in der Mauer entsteht. Je nach Bodenqualität bedarf eine solche Anlage im Garten einer Stützschicht aus Schotter unter dem Mauerfuss, da die Klaubsteinmauer nur von ihrem Eigengewicht gehalten wird. Grössere Steine werden zusätzlich noch mit kleineren Splittern, sogenannten «Zwickern» verkeilt. Als Faustformel für die Tragfähigkeit gilt: Auf gutem Grund muss der Durchmesser des Mauerfusses etwa ein Drittel der gewünschten Höhe betragen.

VORTEILE: Natürliches Aussehen, nutzt bestehende Ressourcen, bietet Unterschlupf für Tiere, normalerweise kein Betonfundament nötig.

NACHTEILE: Ohne professionelle Anlage unter Umständen nicht standsicher, Steine als Baumaterial teuer.

2. Bruchsteinmauern

Die älteste Mauerform und eine Sonderform der Trockensteinmauer. Hier kommen keine Steine aus Steinbrüchen zum Einsatz. Bruchsteinmauern bestehen aus den Findlingen und verwitterten Steinen, die die Natur bereitstellt. In Regionen wie Norddeutschland, die dank der letzten Eiszeit reich an Findlingen sind, findet sich der sogenannte «Friesenwall»: Runde Findlinge, aufeinandergestapelt und von oben mit einer Grasnarbe abgedeckt. Weil das Hartgestein nur schwer spaltbar ist, werden die Zwischenräume hier zur Stabilisierung mit Sandboden, Lehm und Humus aufgefüllt. Da die Höhe der Bruchsteinmauern aufgrund ihrer rohen Steine eher begrenzt ist, werden auf ihr Heide und hinter ihr oft Hecken oder winterfeste Sträucher wie Haselnuss oder Holunder angepflanzt. In dieser Kombination vereinen sie Wind- und Sichtschutz mit einem neuen Biotop für den Garten. 

VORTEILE: Ästhetisch reizvoll, keine Bearbeitung der Steine notwendig, Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt.

NACHTEILE: Nur stabil bis etwa einen Meter Höhe, nicht geeignet für moderne Gärten mit klaren Linien.

3. Natursteinmauer (mit Mörtel)

Eine Natursteinmauer, die mit einem Bindemittel zusammengehalten wird, hat gegenüber der Trockenmauer einige klare Vorteile: Zum einen kann die Auswahl der Materialien stärker an den Stil des Gartens angepasst werden. Mediterraner Sandstein oder doch lieber moderner Granit? Kalkstein für einen Bauerngarten oder dunkler Basalt für eine asiatisch inspirierte Gestaltung? Die Wahl des Steins beeinflusst die Wirkung des ganzen Gartens – insbesondere im ländlichen Raum sollte bedacht werden, dass allzu exotische Anlagen häufig einen Bruch mit der umgebenden Kulturlandschaft bedeuten. 

VORTEILE: Langlebig und vielseitig in der Gestaltung, bis zwei Meter Höhe – deutlich höher baubar als eine Trockenmauer.

NACHTEILE: Für professionelle Drainage und ein solides Fundament ist Fachwissen vonnöten; teurer als Gabionen oder Trockenmauern, kein ökologischer Raum für Tier und Pflanzenwelt. 

4. Betonstein oder Sichtbetonmauer

Fertig angelieferte Betonelemente oder eine vor Ort gegossene Sichtbetonmauer sind die moderne Antwort auf zeitraubende, handwerklich herausfordernde Mauerkonstruktionen. Sie sind leider meist ebenso schlicht wie effektiv. Was die Betonmauer an Schmalheit (gut für enge Gartenanlagen) und Stabilität in der Höhe den klassischen Mauern voraushat, verliert sie wieder durch ihre Uniformität. Gemütlichkeit hinter einer Sichtbetonmauer wird sich eher mit einer geschickten Verblendung aus Naturstein oder Holz einstellen.

VORTEILE: Sehr pflegeleicht und wetterbeständig, modern-gradlinig und sehr effektiv im Schallschutz; grundsätzlich günstiger als vergleichbare Trockenmauern.

NACHTEILE: Kühl-steriles Aussehen, keinerlei ökologischer Mehrwert, selten genehmigungsfrei bei höheren Mauern. 

5. Gabionen

Gabionen sind Steinkörbe aus Draht, die beispielsweise mit Basalt oder Granit befüllt werden. Sie bilden gewissermassen eine Mischform, was den Arbeitsaufwand für einen Sichtschutz im Garten angeht: Ihre modulare Form ermöglicht es, Naturstein ohne intensives Handwerk als Mauer zu verwenden. Die Stabilität der Gabionen rührt nicht durch die präzise Setzung der einzeln verwendeten Steine her, sondern durch die Umfassung aus Metall. Allerdings ist diese sehr holzschnittartige Mauererstellung auch nicht jedermanns Geschmack – es braucht einiges an gartengestalterischer Finesse, bei Gabionen dem Eindruck entgegenzuwirken, hier werde die rustikale Steinmauer nur vorgespiegelt. Ihr übermässiger Einsatz an Brückenunterführungen und in Neubaugebieten hat ein Übriges dazu getan, dass diesem an sich innovativem Konzept der Ruch der Beliebigkeit anhaftet. 

VORTEILE: Flexibel in Höhe und Breite, idealer Sichtschutz, schnell aufgebaut.

NACHTEILE: Billige Drahtkörbe können rosten, viel Standfläche vonnöten, eher technische Optik.

Steinkorb
Den Steindrahtkörben haftet nicht ohne Grund ein Image der Beliebigkeit an: sie finden sich auch in vielen modernen Parkanlagen.
Gräser auf Sichtschutz
Mauern können gestalterische Höhepunkte auf engem Raum sein – sofern sie in das Gartenkonzept passen.
In die Erde eingelassene Bruchsteinmauern stützen Hänge ab und bieten Pflanzen Raum zum Wachsen.

Trockenmauerarten: 

Einwandiges Mauerwerk: Besteht nur aus einer Wand Steine. Selten höher als 1,30 m. Wird genutzt, wenn nur grosse, schwere Steine vorrätig sind. 

Zweiwandiges Mauerwerk: Besteht, wie oben beschrieben, aus zwei Reihen von Mauerwerk, die sporadisch über Bindersteine miteinander verbunden sind und einer Füllschicht. Eignet sich gut für Bepflanzungen. Kommt zum Einsatz, wenn grosse und kleine Steine in gleichen Mengen vorhanden sind. 

Ein- und zweiwandiges Mauerwerk: Mischform, die in Hohlräumen Schotter enthält und sich nach oben hin zu einer einzelnen Steinschicht verjüngt. Bindersteine sorgen für zusätzliche Stabilität. Eignet sich gut, wenn es nur grosse und mittlere Steine gibt. Nicht höher als 1,50 m.

Text: Olaf Bernstein, Bilder: istock.com/BasieB, Lorenza Marzocchi, emer1940, fotolinchen, Creativebird

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