Wenn Steine blühen
Blumen und Steine
Blumen und Steine sind eine unwiderstehliche Kombination, die sich vielseitig und kreativ interpretieren lässt. Ob vertikal, traditionell oder modern – Steingärten sind immer eine Bereicherung.
In Steingärten kommen meist unbearbeitete Natursteine und Findlinge zum Einsatz, welche spezialisierten Arten aus steinigen, felsigen Habitaten eine Heimat bieten. Ein mineralischer Mulch aus Kies oder Schotter begünstigt ihr Gedeihen. Wärmeliebende Gesellen schätzen die wärmespeichernde Kraft des Gesteins, das gleichzeitig den Wurzeln Kühle und Feuchtigkeit bietet. Die zähen, anspruchslosen Stauden und Kleinsträucher befestigen das Gelände und wirken der Erosion entgegen. Steingärten sind faszinierende Biotope, in denen Insekten, Eidechsen, Spinnen, Kleinstsäugetiere und Vögel Nahrung und Unterschlupf finden.
Hanggarten
Grundstücke in Hanglage stellen eine grössere Herausforderung dar als jene in der Ebene, bieten aber besonders attraktive, abwechslungsreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Durch Terrassierung entstehen verschiedene Ebenen für Bepflanzungen oder Sitzplätze, die immer wieder neue Perspektiven eröffnen. Je nach Hangneigung und Höhenunterschied werden Böschungen, Terrassen und Stützmauern angelegt. Wasser lässt sich in Form eines Bachlaufs mit Teich integrieren. Die diversen Bereiche werden mithilfe von Wegen und Treppen erschlossen und erkundet. Liegt das Haus am höchsten Punkt, so ist der Hauptsitzplatz meist sehr exponiert. Befindet es sich am tiefsten Punkt, ist die Anlage auf einen Blick erfassbar und kann unter Umständen etwas erdrückend wirken. Ein grosszügiger Sitzplatz und eine geschickte Modellierung des Geländes schaffen Abhilfe.

Man unterscheidet zwischen naturnahen Anlagen, in denen die Steine locker und mehr oder weniger nach dem Vorbild der Natur angeordnet sind, und formalen, architektonischen Anlagen mit geraden Linien sowie gleichmässigen und geometrischen Formen. Bei Parzellen mit sehr grossen Höhendifferenzen sollte man einen Fachbetrieb zurate ziehen. Eine gute Drainage ist essenziell bei allen Hanggrundstücken und sichert die Stabilität und die Dauerhaftigkeit der baulichen Elemente.
Pflegeextensiv
Ist der Hang sehr steil und eine regelmässige Pflege unmöglich oder nicht erwünscht, greift man auf robuste, pflegeextensive Arten zurück und wählt eine Massenpflanzung. Hierfür eignen sich Arten und Sorten, die sich mittels Ausläufern und Saat stark ausbreiten und aus diesem Grund in normalen Beeten nicht willkommen sind. Am Hang jedoch können wir uns diese Eigenschaften zunutze machen. Unter den Sträucher bieten sich Kriechwachholder (Juniperus communis «Repanda»), Immergrüne Heckenkirsche (Lonicera nitida «Maigrün»), Niedrige Kranzspiere (Stephanandra incisa «Crispa») und Johanniskraut (Hypericum calycinum) für eine flache, bodenbedeckende Pflanzung an. Viele Storchschnabel-Arten wie Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) und Pyrenäenstorchschnabel (Geranium endressii) sind unkomplizierte Bodendecker, die einmal etabliert keine Grenzen kennen und bezaubernde Blütenteppiche bilden.


Heimische, versamungsfreudige Stauden wie Flockenblume (Centaurea nigra, C. jacea), Natternkopf (Echium vulgare), Dost (Origanum) und Königskerze (Verbascum) sind tolle Insektenmagnete und bringen Dynamik ins Spiel. Wer sich saisonale Akzente wünscht, kann einige wurzelausläufertreibende Wildrosen (z.B. Rosa gallica, R. pimpinellifolia, R. canina, R. rugosa) dazwischen setzen, welche die Gestaltung mit schlichten, oftmals duftenden Blüten und zierenden Hagebutten bereichern. Alternativ können dekorative Ziersträucher mit unterschiedlichen Blüte- und Fruchtzeitpunkten gewählt werden und Magerrasen dazwischen gesät werden, den man zwei- bis dreimal jährlich mit dem Fadentrimmer mäht. Auch dies setzt eine Begehbarkeit des Hanges notabene eine entsprechende Modellierung und Befestigung voraus.
Geeignete Pflanzen
Eine grosse Pflanzenpalette steht für Hanggrundstücke und flache Böschungen in Süd- oder Südwestlage zur Verfügung, aber auch schattigere Nord- und Ostlagen lassen sich ansprechend gestalten. Aufgrund der unwirtlichen Lebensbedingungen empfehlen sich polster- und kissenförmige Gebirgsstauden und Zwerggehölze sowie anspruchslose Gräser und Geophyten.













Mini-Steingärten
Sie haben nur einen kleinen oder eher flachen Garten? Kein Problem, denn Mini-Steingärten lassen sich auf vielerlei Art verwirklichen. Ob bepflanzte Trockenmauer, Mauerkrone oder -fuge, Hochbeet oder Trog – viele Wege führen zum Steingartenglück! Es eignen sich alte Steintröge, Spülsteine und sogar zerklüftete Tuffsteine. Essenziell sind Abzugslöcher, eine Drainageschicht (Grobkies, Blähton) und ein durchlässiges, humusreiches und nährstoffarmes Substrat.
Attraktiv arrangierte Findlinge oder Felsen sorgen für Privatsphäre und ein lauschiges Mikroklima und werden begrünt zu schönen Blickpunkten.
Überhaupt sind bepflanzte Trockenmauern die pflegeleichtesten und dauerhaftesten vertikalen Gärten. Überlebenskünstler wie Rote Spornblume (Centranthus ruber), Mittagsblume (Delosperma) und niedrige Fetthenne-Arten (Sedum acre, S. album, S. montanum, S. rupestre) verwandeln die ödesten Flächen in ein Blütenmeer.
TIPP:
Wählen Sie für eine harmonische Wirkung regionale und gleichartige Steine. Wenn alle Elemente an ihrem Platz sind, verteilt man die Pflanzen gemäss ihren Ansprüchen. Mit Findlingen und kompakten Solitärgehölzen wie Zwergkiefern (Pinus mugo, P. pumila), Wacholder (Juniperus), Japanische Eibe (Taxus cuspidata ‚Nana‘) und Wildrosen lassen sich natürliche Landschaften nachempfinden und verschiedene Habitate kreieren.
Text und Bilder: Annette Lepple