Mauerpfeffer
Robuste Schönheiten
Mauerpfeffer – auch bekannt als scharfe Fetthenne – ist eine kleine, sukkulente Pflanze aus der grossen Gattung der Fetthennen, die der Familie der Dickblattgewächse untergeordnet ist. Trotz ihrer unscheinbaren Grösse ist sie im Gartenbau vielseitig nutzbar und einige Sorten werden auch in der Küche und der Naturheilkunde verwendet.
Mauerpfeffer wächst als niedrige, teppichbildende Pflanze mit kleinen, dicken und saftigen Blättern. Er ist in ganz Europa verbreitet und wächst oft auf Mauern, Felsen oder trockenen Wiesen. Die Pflanze ist äusserst genügsam und übersteht selbst längere Trockenperioden problemlos.
Der scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) ist ein echter Spezialist für extreme Standorte. Auf Trockenmauern, Steingärten oder Dachflächen bildet er dichte, gelb blühende Polster. Seine winzigen, fleischigen Blätter speichern Wasser und helfen ihm, selbst auf mageren Böden zu überleben. Die Pflanze bleibt niedrig, breitet sich aber rasch aus – und das mit fast null Pflegeaufwand. Ihren Namen verdankt sie dem scharfen Geschmack der Blätter, der bei empfindlicher Haut sogar leicht reizend wirken kann. Im Juni und Juli wird der Mauerpfeffer zur gelben Blüteninsel für Wildbienen, Käfer und andere Insekten.
Anders die grosse Fetthenne (Sedum telephium): Sie wirkt fast majestätisch mit ihren kräftigen Trieben, dicken Blättern und doldenförmigen Blüten, die im Spätsommer in kräftigem Rosa, Purpur oder Weiss leuchten. Die Fetthenne wird bis zu 60 Zentimeter hoch und macht sich gut im Staudenbeet, in sonnigen Rabatten oder naturnahen Pflanzungen. Auch in Trockenphasen zeigt sie kaum Schwächen – ein Paradebeispiel für Klimafestigkeit im Garten.
Beide Sedum-Arten haben sich an extreme Bedingungen angepasst. Sie nutzen den sogenannten CAM-Stoffwechsel (Crassulaceen-Säurestoffwechsel), der ihnen erlaubt, in der Nacht über ihre Spaltöffnungen zu atmen und so tagsüber Wasser zu sparen. Diese raffinierte Strategie macht sie zu idealen Pflanzen für trockene, sonnige Lagen.
Was die Sedum-Arten ausserdem auszeichnet: Ihre Bedeutung für die Biodiversität. Während viele Zierpflanzen kaum noch Nahrung für Insekten bieten, sind Sedum-Arten echte Nektarlieferanten – spät blühend, ausdauernd und reichhaltig. Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln lieben sie. Ob als pflegeleichter Bodendecker oder standfeste Blütenstaude – Mauerpfeffer und Fetthenne gehören zu den stillen Helden im Garten. Sie verschönern selbst schwierigste Standorte, benötigen kaum Pflege und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt.

Und erst noch essbar
Nicht alle Fetthennen sind essbar, aber einige Arten wie zum Beispiel Sedum reflexum (Tripmadam) oder Sedum telephium werden als Kräuterbeigabe in sehr kleinen Mengen zum Würzen von Quark, Salaten, Kräuterbutter oder als Beigabe zu Wildkräutersuppen verwendet. Die gelben Blüten (Juni-Juli) machen sich hübsch als essbare Garnitur auf Salaten oder Häppchen. Frisch geerntete Pflanzenteile können in Essig eingelegt werden und geben diesem eine würzig-scharfe Note. Er kann Bestandteil von Wildkräuterfermenten sein, allerdings immer in kleinen Mengen wegen seiner reizenden Wirkung. Die jungen Blätter mancher Arten können als vitaminreiche Zutat in kleinen Mengen auch roh oder gedünstet verwendet werden.
Heilsame Kräfte
Schon in der Antike wurde Mauerpfeffer medizinisch verwendet. Tripmadam ist reich an Vitamin C, weshalb das Kraut einst gegen Skorbut verwendet wurde. Auch enthält er reichlich Gerbstoffe, die eine günstige Wirkung zur Vorbeugung gegen Bluthochdruck und Arterienverkalkung haben. Mauerpfeffer soll sich auch zur Behandlung von Warzen eignen. Im Mittelalter wurde die Pflanze ebenfalls zur Behandlung von Harnbeschwerden eingesetzt.
Ob in der Küche oder für die medizinische Anwendung: Verwenden Sie nur essbare Arten, denn viele Arten sind leicht giftig! Tripmadam sieht dem Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre) auf den ersten Blick ähnlich, dieser enthält allerdings Alkaloide und andere Giftstoffe und sollte daher nicht mit Tripmadam verwechselt werden.

Rezept: Wildkräuterbutter mit Fetthenne
Zutaten
- 100 g weiche Butter
- 2 EL fein gehackte Tripmadam oder junge Blätter von Sedum telephium
- 1 kleine Knoblauchzehe (optional)
- Salz, Zitronenschale, etwas schwarzer Pfeffer
Zubereitung
- Kräuter fein schneiden, Knoblauch zerdrücken. Alles in die weiche Butter rühren. Mit Zitronenschale, Salz und Pfeffer abschmecken.
- In Frischhaltefolie rollen und im Kühlschrank fest werden lassen.
Passt perfekt zu Baguette, gegrilltem Gemüse oder Steak.
Text: WiMi
Bilder: shutterstock.com/Sergei Drozd