Küchengarten

Die Walnuss

Der kraftvolle Einzelgänger

Wer im eigenen Garten unter einem alten Walnussbaum sitzen darf, hat Glück. Es muss wohl ein grosser Garten sein, was heutzutage ja längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ausserdem darf man sich bei einem gesunden Baum immer wieder auf reich beschenkte Jahre freuen, in denen es fast schon Walnüsse zu regnen scheint. Und natürlich auch schon alleine deshalb, weil es immer magisch ist, mit solch altehrwürdigen Baumwesen ein Grundstück zu teilen. Was für ein grosses Geschenk, diese Verbindung zur Natur. Obwohl heutzutage vor allem die reifen Früchte sehr beliebt sind und als heimisches «Superfood» gelten, das in jeder vollwertigen Ernährung einen Platz finden sollte, waren es einst in der Volksheilkunde vor allem die Blätter, die uns mit viel Gutem zur Verfügung stehen.

Gesammelt werden die Blätter für Heilzwecke übrigens von Mai bis Juni. Sowohl äusserlich als auch innerlich können diese Blätter dann Verwendung finden. Durch ihren Gehalt an Gerbstoffen sorgen sie für eine ausgeprägte zusammenziehende Wirkung, was  in Form eines Tees sowohl dem Verdauungssystem bei Durchfallerkrankungen als auch der Haut und dem Gewebe bei Problemen zugute kommt. Sehr bekannt ist zum Beispiel auch ein Sitzbad aus Walnussblättern bei Schwierigkeiten mit Hämorrhoiden, Juckreiz oder Entzündungen. Auch Frauen im Wochenbett mit Geburtsverletzungen kann ein solches (gut verdünntes und mildes!) Sitzbad helfen – allerdings bitte immer in Absprache mit der Hebamme. Eine ganz besondere Anwendung ist der Tee oder die Tinktur aus den Nusskämben (das sind die holzigen Trennwände zwischen den Nusshälften). Diese sollen das Herz stärken und eignen sich so zur begleitenden Behandlung von Herzrhythmus-Störungen. Die grüne Nusshülle wird hierzulande heutzutage nicht mehr oft in der Volksheilkunde verwendet – im russischen Raum soll sie aber als Tinktur bei Diabetes und Durchfall verwendet werden. 

Walnuss halbiert

Die Walnuss in Haus und Hof

Früher galt die Walnuss vielerorts als Lebensbaum. So wurde zur Geburt eines Kindes gerne ein solcher Baum gepflanzt, in der Hoffnung, dass der Baum mit dem Kind gut heranwächst, um diesem dann im Erwachsenenalter Nüsse zu schenken. 

Heute wird der Walnussbaum leider kaum mehr im Garten gepflanzt, was oft mit seiner beachtlichen Grösse zu tun hat, zu der er sich entwickelt. Wer aber den Platz und Freude an den Nüssen hat, dem sei ein solcher Einzelgänger ans Herz gelegt. Er spendet wunderbar Schatten und hilft gut gegen Mücken – ein grosser Tisch mit Stühlen unter einem Walnussbaum ist wunderbar einladend an lauen Abenden mit guten Freunden. 

Früher hatte die insektenabwehrende Eigenschaft des Baumes aber andere Einsatzgebiete: Gerne pflanzte man sie am Hofe dorthin, wo sich viele Mücken und Fliegen aufhalten, wie etwa in der Nähe von Ställen, Misthaufen oder Jauchegruben. Gegen Motten legte man Walnussblätter in die Schränke, gegene Läuse und Flöhe fanden sie in den Ställen Platz und gegen Mäuse wurden die Erdmieten mit dem Laub ausgepolstert. Auch von anderen Pflanzen will der Walnussbaum in Ruhe gelassen werden. Seine Blätter tragen den Inhaltsstoff Juglon, der das Wachstum möglicher Nachbarspflanzen beeinträchtigt. Auch das sollte man wissen, wenn man einen Walnussbaum pflanzen möchte. 

Walnuss-Baum

Beschreibung:
Da seine Blüten recht frostempfindlich sind, wächst der Walnussbaum bevorzugt in etwas milderen Gegenden. Dort steht er als Solitär und wird stattliche 25 Meter hoch. Der Walnussbaum duldet keine anderen Pflanzen in seiner unmittelbaren Nähe, was er mit dem Blattinhaltsstoff Juglon auch erreicht. 

Sammeln:
Gesammelt und verwendet werden beim Walnussbaum sowohl die unreifen als auch die reifen Früchte, die Schalen und Blätter sowie die sogenannten «Kämben», das sind die dünnen Trennwände zwischen den Kernen der Walnuss.

Eigenschaften:
Die Walnuss steht für zusammenziehende, blutstillende, entzündungshemmende, juckreiz- und schmerzstillende Wirkungen dank Inhaltsstoffen wie unter anderem Gerbstoffe, Gerbsäure, Tannine, Bitterstoffe und Flavonoide.

Gewusst?
Auch in der Bachblütentherapie hat die Walnuss einen wichtigen Platz. «Walnut» ist die Verwirk­lichungsblüte, die  Neubeginne erleichtert.

Text: Sarah Brunold
Bilder: Sarah Brunold, unsplash.com/Annie Spratt, From Marwool

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